Henry Wilhelm / GERMANY [FB]

Eine der interessantesten Fragen, die mir in Georgien gestellt wurde, war: Besuchst Du jetzt Rico oder Georgien?

Ich würde sagen: Beides, aber in jedem Fall wollte ich Rico auf seiner Reise um die Welt besuchen. Das war mir am Wichtigsten. Sein Reisetempo allerdings passte anfangs nicht zu meiner Zeitplanung. Zu schnell war er in Istanbul. Hut ab erst mal für diese Leistung!

Das Überwintern dann, in Georgien, kam daher gerade recht. Sehr hat mich das Land interessiert, also Flug gebucht, Rucksack gepackt und los ging’s.

In Georgien angekommen bin ich dann am Montag um Mitternacht, Ortszeit. 3 Stunden vor der deutschen Zeit. Das Wiedersehen mit Rico war herzlich. Nein, er hat sich nicht groß verändert. Gewicht verloren, entspannter Blick („Läuft!“) und glücklich sieht er aus.

Ich möchte nicht zu viele Einzelheiten erzählen, sondern lasse nachher noch ein paar Bilder sprechen. Was prägte mich aber bisher, so einen Tag vor der Abreise?

Land und Leute! Das Essen und Trinken, die Landschaften, die Städte Tblisi, Kutaissi und Gori (die Geburtsstadt Stalins). Die Mini-Busse, die sich nur scheinbar chaotisch um dem Transport der Menschen auf mehr oder weniger ausgebauten Straßen kümmern. Die Kirchen, viele Kirchen. Die Infrastruktur und das Stadtbild allgemein.

Hier in Georgien gäbe es viel zu tun. Viel zu verwöhnt bin ich vom Zustand der Häuser und Straßen in Deutschland.

Rico lebt hier bis zu seiner Abreise in einer WG. Von Außen Ui… , von Innen „Passd scho“! Dankbar habe ich Couch und Bett aufgenommen und freue mich sehr über die Gastfreundschaft, die auch meine nicht funktionierende Bank-Karte kompensieren kann (kriegste alles wieder!). 

Bevor ich es vergesse: Air-Hockey. Wir brauchen unbedingt einen Air-Hockey Tisch, in Deutschland oder beim nächsten Treffen irgendwo auf der Welt. Nach kurzen, aber epischen Gefechten steht es 2:2 zwischen Rico und mir. Ein riesen Spaß!

Morgen fliege ich zurück. Es war eine herrliche Woche, ich freue mich dennoch auf die Heimat. Anbei noch ein paar Fotos, die ich mit meiner Handy-Knipse geschossen habe.

Zum Schluß bleibt mir ansonsten nur zu sagen:
Wenn ihr die Gelegenheit habt, Rico zu besuchen oder zu begleiten: Tut es. Es wird sich in jedem Fall lohnen!

 

APNCS Dayhome

Was ich so in Georgien treibe?
Sein Mitte Januar habe ich einen Freiwilligendienst in einer Tageseinrichtung für Behinderte angetreten. Eine gute Möglichkeit hinter die Kulissen und in die Gesellschaft des Landes zu schauen. Behinderte sind eben auch ein Teil der Gesellschaft und haben es je nach Land und Region leichter oder schwerer am Alltag teilzunehmen. So, wie ich mich umgehört habe, trifft letzteres wohl auf Georgien zu. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier in Tiflis Einrichtungen wie das APNCS Dayhome (Association for People in Need of Special Care, Verein für seelenpflegebedürftige Menschen), die Gehandicapte betreuen, mit ihnen arbeiten und Aufmerksamkeit schenken.
Bei den Betreuten handelt es sich i.d.R. um Personen mit Störungen kognitiver Fähigkeiten wie z.B. beim Down-Syndrom. Oftmals wirken sich diese Einschränkungen dann auch noch auf die motorischen Fähigkeiten aus. In Summe ist es eine bunte Truppe mit vielen unterschiedlichen Charakteren und die Therapeuten und Pädagogen meistern einen guten Job an ihnen.
Verschiedene Workshops werden angeboten. Vom Papierrecycling und Buchbinden, Kerzengießen, über Körbeflechten bis Holzbearbeitung ist allerhand Angebot vorhanden. Die Endprodukte werden dann auf Märkten vertrieben. Gewinndeckend lässt sich aber nicht arbeiten. Alles geht sehr langsam und mit einem Tempo wie jeder selbst kann und will. So ist die gesamte Einrichtung auf Spenden und Stiftungen angewiesen. Mein Eindruck aber sagt: Es lohnt sich. Für georgische Verhältnisse ist es eine sehr moderne Einrichtung und der Umgang mit den Gehandicapten ist sehr herzlich und fürsorglich.

Für einen kleinen Eindruck könnt ihr auch deren Facebook besuchen: https://www.facebook.com/profile.php…

Für mich bedeutet die Arbeit in dieser Tageseinrichtung eine willkommene Abwechslung und ein warmes Mittagessen. Auf eine Art kann ich vielleicht auch so wieder etwas von dem dem Guten und den herzlichen Gesten zurückgeben, von denen ich auf meiner Wanderung allzu oft bekommen habe.