Von Shiva empfangen

Gleich zu Beginn, direkt nach dem Übersetzen von Java nach Bali, wurde mir verdeutlicht, dass Bali der wohl größte Außenposten (vielleicht noch neben Mauritius) des Hinduismus ist. Direkt gegenüber dem Anleger nahm mich eine große Shiva-Statue in Empfang.

Als ich die letzten Tage so über die Insel wanderte, da kamen mir so viele Bildnisse der hinduistischen Götter und Dämonen so vertraut und gleichzeitig so fremd von. Zu weit von seinen Ursprüngen entfernt und immer wieder isoliert, drückt sich auf Bali der Hinduismus in völlig anderen Formen und Farben aus.

 

Ijen

Noch einmal sollte es auf einen der zahlreichen Vulkane Indonesiens hochgehen. Diesmal jedoch auf eigene Faust. Mit zwei weiteren Gästen aus meinem Hostel fuhren wir mit Motorrollern die Straße hinauf und übernachteten bei Lagerfeuer einfach auf unseren Matten unter freiem Sternenhimmel.

Um 01:00 Uhr, geweckt von ankommenden Kleinbussen und Touristen packten wir schnell unsere Sachen und liefen die restlichen paar Kilometer bis zum Krater hinauf. Ein Phänomen des Ijen sind die blauen Flammen, die am besten bei völliger Dunkelheit zu beobachten sind. Also galt es sich etwas zu beeilen und vor den anderen Besuchern da zu sein und diese alles mit ihren Lampen ausleuchten. Ein unersetzliches Utensil auf dem Vulkan sind Gasmasken. Im Krater ist der Geruch von Schwefel allgegenwärtig. Je nach Windrichtung machen die Rauchgase das Atmen dann aber unmöglich. Es kratzt in der Kehle und brennt in den Augen. Man hat die Maske also am besten unter dem Kinn hängen um sie schnell aufsetzen zu können, wenn man plötzlich in einer dichten Wolke steht.

Viele kleine Lichter bahnten sich im Dunkeln der Nacht ihren steinigen und rutschigen Weg den Krater hinunter. Aber erst als der Tag anbrach, erkannte man die ganze Szenerie um sich herum. Die Kraterwand trat als Schatte hervor und ein blauleuchtender See tat sich auf. Man sollte es aber lassen darin schwimmen zu gehen. Erstens ist er mit rund 60°C zu heiß und zweitens ist es ein Säuresee. Man kann die Hand kurz reinhalten, sollte sie dann aber mit klarem Wasser abspülen und sich nicht in die Augen fassen.

Ja, eine unglaublicher Anblick, der sich da einem auftut. Eine raue und nicht ungefährliche Schönheit.

 

 

Einen echten Knochenjob haben hier die Schwefelstecher. Der Schwefel setzt sich aus den Gasen am Gestein ab, oder wird in Fässern angereichert. Oder er tritt in flüssiger Form aus Gesteinsöffnungen hervor und kühlt an der Oberfläche ab. Herausgebrochen, werden sie Schwefelbrocken in Körbe geladen und erst den Krater hoch und dann den Berg runter getragen. Ich hatte mich mal daran probiert. Zwei Körbe an einer Bambuslatte, zusammen 75 Kilogramm. Es tat echt weh, da das ganze Gewicht nur an einem Punkt auf der Schulter liegt. Dreimal täglich holen steigen sie den Krater hinab. Echt hart! Und dadurch, dass sie täglich all diese Gase einatmen, werden sie kaum älter als 50 Jahre alt.

 

 

Dazu gibt es hier eine kleine Kurzdokumentation.

Mais, Chili, Tabak und Lockvögel

Es ist immer wieder schön zu sehen, was wo wächst und gedeiht. Hier in den Niederungen spielt Reis keine Rolle. Viel Mais aber auch Chilischoten und Tabak prägen das Landschaftsbild. In den Dörfern um mich herum wird der Tabak dann getrocknet, geschnitten und in Päckchengröße gebunden. Der Geruch geht ziemlich in die Nase.

 

 

Als ich eine kleine Abkürzung nahm und so über einen Feldweg stolperte, sah ich etwas abseits ein wenig Trubel. Motoräder mit Käfigen die auf- und abfuhren und Männer die irgendetwas anstellten, ich aber nicht genau sehen konnte. Also vorbeigeschaut bei der Show. Es sah aus wie Brieftaubentraining auf Kurzstrecke. Die Tauben wurden mit den Motorädern auf bis zu 500 Meter Distanz gefahren und dann wie ein Stein aus der Hand geworfen. Ziel war es, die Tauben wieder einzufangen. Dabei wird wohl so etwas wie Sinn für Sozialverhalten genutzt, denn der Fänger hält in einer Hand bereits eine flatternde Taube, auf die die geworfene Taube zufliegt. Ist also sowas wie ein Lockvogel.