Astara

Der Grenzübertritt in Astara verlief problemlos. Die Azeries hatten mich noch warten lassen, denn es galt zu überprüfen, ob ich nicht doch eine Registrierung für meinen Wagen gebraucht hätte. Da hab ich mich echt an den Kopf gegriffen. Aber die Herrschaften waren wenigstens so freundlich und hatten mir Tee angeboten. Dann ging alles ganz schnell. Ausreisestempel in den Pass und auf Gepäckkontrolle wurde ganz verzichtet. Nur durch den schmalen Gang für den Fußgängerverkehr wollten sie mich wieder schicken doch mein Protest wurde schnell akzeptiert. Auch die Iraner hatten Probleme zu verstehen, dass ich mit meinem Karren nur durch den Kraftfahrttransit kann. Es ging jedoch alles unproblematisch und ein flüchtiger Blick in meinen Wagen reichte denen auch.

Die iranische Seite Astara’s war plötzlich eine andere Welt. Da rasten Jetskis über das Wasser, Quads tuckerten am Strand entlang und der Maiskolbenverkäufer machte auch sein Geschäft. Viele Leute, die sich ein paar Schritte ins Wasser wagten und ausgelassen planschten. Viel Trubel während auf aserbaidschanischer Seite der Hund verreckte. Das hatte ich so nicht erwartet. Hier blüht das Leben.
Meine Karte zeigte mir einen Zeltplatz an zu dem ich mich aufmachte. Für europäische Standards war er etwas schäbig aber es sollte mir recht sein. Immerhin war gleich ein Restaurant nebenan, wo ich mir zur Feier des Tages was gönnte. Die arabische Schrift macht mir allerdings das Bestellen schwer. Da hilft nur mein „Ohne Wörter Buch“. Auf das Hühnchen gezeigt sowie Tomaten und Gurken für den Salat und auf die Suppe. Und ja, das hatte wie immer ganz gut funktioniert.

Die Leute hier sind sehr zuvorkommend. Zwei mal wurde ich schon nach Hause eingeladen was ich leider ablehnen musste, da es immer einige Kilometer in die falsche Richtung ging. Aber auch so werde ich oft gefragt, ob ich Hilfe brauche oder mir man irgendetwas bringen könne.
Die Iraner lieben es zu picknicken und zu grillen. So gesellte sich an meinem zweiten Abend eine Familie zu mir auf die Wiese und es wurde ordentlich aufgetischt. Fleisch, Tomaten und Suppe, alles über den glühenden Kohlen gegrillt bzw. gekocht. Als dann noch die Shisha rausgeholt wurde und der orangene Vollmond über dem Kaspischen Meer aufging, da war der Abend perfekt.

Mir wurde schnell deutlich gemacht, dass das Leben im Iran keineswegs so konservativ ist, wie es oft in den Medien dargestellt wird. Besonders die junge Generation sucht nach einer viel liberaleren Lebensweise und testet dabei die Grenzen gegenüber dem Staat ordentlich aus. Und wenn halt mal das Kopftuch der Frau nach hinten rutscht… na ja, passiert halt mal. Und einer Frau mal zuzwinkern ist auch kein Problem. Glaubt mir, die zwinkern zurück. Und über ein Erlebnis schreibe ich, sobald ich das Land verlassen habe.

 

Qazvin

Bei Bandar-e-Anzali hieß es nun ins Landesinnere abzubiegen und dem Kaspischen Meer, dem größten See der Welt, den Rücken zu kehren. Also von 28 Metern unter dem Meeresspiegel ging es nun wieder aufwärts.
Die Stadt Rasht war angepeilt. Für diesen Tag sollte ich einen Schlafplatz via CouchSurfing haben. Ich Traf mich mit meinem Gastgeber wie vereinbart und wir schlenderten ein wenig durch die Straßen. Er meinte, ich werde bei seinem Kumpel unterkommen und er warte nur noch auf seinen Rückruf. Na ja, der Rückruf kam aber mit einer Absage. Der Kumpel hing an diesem Abend wohl lieber auf seiner Freundin. Ich war total angefressen, denn Mein Host hatte es nun auch nicht mehr auf die Reihe bekommen mir noch irgendetwas anderes zu organisieren und inzwischen war die Sonne auch schon untergegangen. Den halben Tag, den ich in der Stadt verbracht hatte war wirklich Zeitverschwendung. Ich hatte echt Frust und ließ ihm dies auch spüren. Immerhin hatte ich mich voll auf seine Zusage verlassen und nun stand ich im Dunkeln da. Einfach klasse, wenn man sein Zelt dann abends um 10 Uhr auf irgendeinen kleinen Grünstreifen direkt an der Hauptstraße am Stadtrand aufstellen darf.
Die Welt wäre aber nicht im Gleichgewicht, wenn auf das Tief wieder ein Hoch kommt und manchmal muss man hier was verlieren um an anderer Stelle wieder etwas zu gewinnen. Den kommenden Tag ging es weiter in die sich hinter Rasht erhebenden Berge. Noch immer prägten größtenteils Reisfelder die Landschaft. Ich machte gute Kilometer an diesem Tag und begann schon, mir einen Platz für mein Camp zu suchen. Ein Auto hielt und eine Familie stieg aus. Die Töchter Maryam und Mojde sprachen Englisch und nach etwas Smalltalk lud der Vater mich mit in der Großeltern Haus ein. 43 Kilometer hatte ich schon absolviert und ich war echt müde aber weitere drei Kilometer nach Rostam Abad für eine heiße Dusche und Abendessen konnte ich nicht abschlagen. Einige Leute mehr als erwartet waren zu Gast im Haus, denn es gab einen Anlass. Die kleine Prinzessin von Nichte hatte ihren 10. Geburtstag zu feiern. So gab es neben den Köstlichkeiten des Abendessens auch noch Geburtstagstorte. Und dann noch die Dusche und ein großes Bett für mich allein… Das alles zusammen hätte mir der Abend in Rasht nicht gebracht.

Der Iran ist ja ein sehr gebirgiges Land mit vielen Hochebenen und Becken. Auch Qazvin liegt in solch einem Becken auf rund 1300 Metern Höhe. Auf dem Weg hier hoch hatte es ein Tag besonders in sich. Es war nicht der Anstieg, der es mir schwermachte. Vielmehr war es das warme Wetter und ein wirklich heißer Wind, der das Tal hinunter mir entgegenwehte. Das hatte ich so noch nie erlebt. Mein Hemd war nicht wie üblich durchgeschwitzt. Der heiße Wind trocknete alles sofort und brachte auch mich an den Rand des Vertrocknens. Meine Wasservorräte leerten sich rasch und um auf Nummer sicher zu gehen füllte ich ein paar Flaschen mit dem klaren Wasser eines Baches, der Gott sei Dank das Tal hinunterfloss. Mit großen Kopfschmerzen war dann nach 32 Kilometern Schluss. Das war wohl auch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch vor mir liegen mag. Wenn ich den Einheimischen erzähle, dass ich bis in den Süden nach Bandar Abbas laufen möchte, bekommen die schon so einen leicht entsetzten Blick und sagen mir, dass das echt heiß wird.
Darum kommen für mich zwei Möglichkeiten in Frage um das auch zu schaffen. Erstens: Ich laufe Nachts. Es ist kühler und ich kann T-Shirt tragen, ohne dass mir die Sonne dabei die haut verbrennt. Zweitens: Wenn Wasser knapp wird, dann kann ich immer noch in die nächste Ortschaft per Anhalter fahren, mich dort mit dem Nötigsten versorgen und dann wieder zurück.

 

 

Hier in Qazvin werde ich nun ein paar Tage verweilen. Habe mit Vahid und seinem Busenkumpel Mohammed einen super CS-Kontakt gefunden. Eine kleine, leerstehende Wohnung habe ich für mich allein. Die Beiden kümmern sich wirklich gut um mich und kutschieren mich viel in der Stadt rum. Heute war dann Sightseeingtour angesagt. Das Grabmal Imamzade Hossein. Es war in zweierlei Hinsicht sehr beeindruckend. Die vielen kleinen Spiegel, die die Wände verzieren schaffen eine blinkend, leuchtende Welt, als würden Millionen Diamanten funkeln. Sehr imposant und faszinierend. Dann noch der darin befindliche Schrein eines der zwölf großen Imame und Nachfahren Mohammeds. Eine Pilgerstädte für viele gläubige Schiiten und diese schluchzen und weinen hier sich echt die Seele raus. Ansonsten viel Architektur mit allerhand Kuppeln und Ornamente die immer wieder begeistern.

 

Alamut

Nördlich von Qazvin erstreckt sich ein großes Tal, an dessen östlichen Ende sich die Festung Alamut befindet. Von den Einheimischen empfohlen, machte ich heute einen Abstecher per Anhalter in die Richtung. Das ging ganz gut vorwärts. Wieder einmal stoppte eine Familie und eigentlich waren die schon zu fünft im Auto doch die meinten, sie können sich hinten zu viert hinquetschen und ich solle auf den Beifahrersitz. Alles klar und weiter ging es.
Wir kamen ins Gespräch und sie erzählten, dass sie in das Dorf fahren, in dem ihr Vater geboren und aufgewachsen war. Sie nutzen das dortige Haus als Wochenendsitz und ich sei herzlich willkommen. Gut, bevor ich vielleicht von irgendeiner ollen Ruine enttäuscht werde, dachte ich mir, verbringe ich den Tag doch lieber bei einem traditionellen Mittagessen und schaue mir das kleine Dorf an.
Erst ein paar Serpentinen hoch und noch viel mehr runter. WOW, was für ein Tal! Riesig lag es vor uns. Die Südflanke wirkte karg doch gab es immer wieder grüne Flecken dazwischen. Kleine Dörfer, die zerstreut das Tal säumten. Weiter im Osten des Tals erstreckten sich große Weiden- und Graslandschaften bis wir endlich in das kleine Dorf Fishan erreichten. Es liegt sehr idyllisch in einem kleinen Nebental. Ich schätze, es hatte nicht einmal Hundert Einwohner. Man lebt dort von etwas Viehzucht und von dem, was der Garten eben so hergibt. Das sind besonders Kirschen. Kirschbäume über Kirschbäume. Von den Bergen rauschten steil, teils in kleinen Wasserfällen, zwei Bäche hinab. Einfach ein Ort zum Verweilen.
Das war ein wundervoller Tag! DANKE

 

Neuer Rekord

Gestern 52 Kilometer geschruppt und das in 11h15min. Nach den 48km in der Türkei hab ich ja schon mit der 50km-Marke geliebäugelt und gestern bei 27 Grad und trotz praller Sonne waren es gute Bedingungen.
Zuletzt lag es wohl auch an den drei Tagen Pause in Qazvin und den Leuten, die mich so hervorragend bekocht und durchgefüttert haben. Vielen lieben Dank an Vahid, Mohammed und ihren Freundeskreis sowie Mahnaz und Asi mit Familie.

Der Rote Halbmond ist das muslimische Pendant zum Roten Kreuz und die vier Jungs sind heute meine Gastgeber. In Ungarn hatte ich von dem spanischen Radler erfahren, dass hier spätestens alle 70km die Straße lang eine Station kommt und man sich mit Wasser verpflegen könne.
Warum nicht auch dort pennen? Hab mal geklingelt und gefragt. Da stand ich Außerirdischer mit seinem Ufo nun und keiner wusste was mit mir anzufangen. Da wurde wohl erst mal die Obrigkeit angerufen und dann hieß es „Komm, kannst drinnen schlafen.“ Ha, perfekt! Matte im Gemeinschaftssaal ausgerollt und erst mal duschen gegangen.

 

Kuni

Ohne Worte. Diesmal war es echt heftig.
Wenn man nicht mal mehr auf dem Seitenstreifen vor Lkws sicher ist. Die Kiste rollt dank vieler iranischer Helfer wieder und ich hab keinen Kratzer.  Das Kuni (Farsi für Arschloch) hat sich auch noch für Hit and Go entschieden. Zu deutsch: Fahrerflucht

 

 

In Isfahan angekommen

In Qazvin beschloss ich Teheran links liegen zu lassen. Zu groß, zu viel Verkehr, zu laut, zu schmutzig. Alles das, was ich nicht gebrauchen kann. So ging es direkt weiter nach Qom, der Stadt mit dem zweit heiligsten Ort aller gläubigen Schiiten – dem Schrein der Fatima. Er zeichnet sich besonders durch seine goldene Kuppel aus. Ähnlich wie in Qazvin ist auch hier der Innenraum mit unzähligen kleinen Spiegeln verziert und die Leute beten und weinen am Schrein. Sogar die Toten werden in einem Sarg nochmal daran vorbeigeführt. Fotografieren ist streng verboten wurde mir gesagt. Na ja, die Iraner selbst sehen das nicht so streng. Ein Selfi mit dem Smartphone als Andenken geknipst, das geht, nicht aber mit einer richtigen Kamera. Den Unterschied verstehe wer will. Ich hab’s mal ganz sein gelassen. Einer der Aufpasser winkte mich mal zu sich. Er wollte wissen wo ich herkomme und was ich so treibe. Smalltalk halt. Irgendwann fragte er mich, ob ich Moslem sei, was ich verneinte. Ich solle ihm ins Büro der Administration folgen und warten. Die Kollegen waren sehr freundlich. Man schenkte mir sogar etwas Süßkram. Dann kam ein Herr, der sich als Führer für einen Rundgang anbot. Das Angebot nahm ich gern an. Er fragte immer wieder, wo meine Schuhe seien und drängte hartnäckig nach draußen. Die Schuhe abgeholt erzählte er mir allerhand zur Anlage und es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über Islam und Architektur. Als ich wieder in die Moschee rein wollte meinte er es gehe nicht. Für Nichtmuslime sei der Zutritt verboten! Ahhhh… Daher sein energisches Drängen das Gebäude zu verlassen. Aus muslimischer Sicht gebe es keinen Grund die Moschee nicht betreten zu dürfen aber der Träger der Anlage sei eine Privatgesellschaft und die verbiete es eben. Gut, dass ich nicht schon am Eingang nach meiner Religion gefragt worden bin – Meinem Bart wohl sei Dank.

Die Tage auf der Straße waren ganz okay, mal abgesehen von dem Vollpfosten, der meinen Karren fast komplett geschrottet hatte. Die Polizei war gut drauf und die hatten sogar einen Pick-Up besorgt, der meine Kiste die 20 Kilometer bis nach Saveh vor den nächsten Radladen brachte. Ein paar Leute aus der Straße hatten mit angepackt die Kiste wieder flottzumachen. Da musste einiges gerade gebogen werden. 20 Euro für eine neue Felge und das war’s.
Es gab nochmal einen Tag, an dem mir ein heißer Wind ums Gesicht flog. Das ist echt die Hölle. Besonders meinen Lippen tut das nicht gut. Da trocknet alles aus, wird rissig und platzt auf. Da kann man so viel Creme draufhauen wie man will. Ich werde mir noch ein Tuch besorgen müssen, welches ich mir dann über Mund und Nase binde. Generell ist Hut und lange Kleidung Pflicht! Die Sonne brennt erbarmungslos. Ich komme aber gut zurecht. Nach Qom und Delijan ging es allmählich auf über 2000 Höhenmeter. Da war der Wind schon frischer und machte es mir leichter. Dennoch, die Sonne ist heftig.
Vor ein paar Tagen traf ich auf einen deutschen Motorradfahrer, der im Süden des Landes unterwegs war. Er meinte, er sei unter seinem Helm fast gestorben. Der Fahrtwind sei alles andere als kühlend. 45°C oder gar mehr und der Boden glüht. Ich soll mich auf was gefasst machen. Oh man, das hört sich nicht gut an. Ist vielleicht gerade ein schlechtes Timing für eine Irandurchquerung. Ich werde sehen wie es läuft. Wichtig ist, dass ich die weitere Route sorgfältig plane, dass regelmäßig Ortschaften kommen, an denen ich mich verpflegen kann, keine großen Steigungen zu bewältigen sind usw. Und die Option, in der Nacht zu laufen steht ja auch noch.

Am 16. Juni bin ich nun in Isfahan angekommen. Hier muss ich erst einmal mein Visum verlängern. Fast einen Monat streife ich nun schon durch den Iran und ich gehe davon aus, noch weitere sechs Wochen hier verbringen zu werden/müssen/können.Irgendwie ist es ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Es liegt vielleicht auch an der wild-romantischen Vorstellung eines alten Persiens, die einfach nicht erfüllt wird. Es fehlt mir ein gewisses Flair. Na vielleicht entdecke ich es ja noch.

Vielleicht noch was zum Thema Ramadan. Also ich merke es nicht auf meiner Reise. Ich sehe junge wie alte Leute am Tag trinken und essen, es wird Picknick gemacht und auch ich esse und trinke in der Öffentlichkeit. Keine Sau stört sich daran. Gut, ich stelle mich jetzt nicht direkt vor die Moschee und schlürfe da meine kalte Kola. Die meisten Restaurants sind tagsüber geschlossen aber die Geschäfte bleiben geöffnet. In den Städten fällt auf, dass nach Sonnenuntergang für eine gute halbe Stunde das öffentliche Leben fast vollständig erlischt. Jeder nimmt sich dann die Zeit zum Fastenbrechen und danach geht der Trubel weiter.

 

Von Isfahan nach Shiraz … 13 Tage Härte und Herzlichkeit

Weiter ging es in Richtung Süden. Einen Tag bevor ich Shareza erreichte, stoppte mich ein Auto. Ein großer, vollbärtiger Mann, schwarz gekleidet stieg aus. Omid war sein Name. Er bot mir ein paar Früchte an und lud mich in für den nächsten Abend nach Shahreza ein. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Distanz bis zum kommenden Abend schaffen würde. So vereinbarte ich mit ihm den folgenden Morgen und nahm seine Nummer entgegen. Nun, ich war flott unterwegs und erreichte die Stadt doch schon am Abend aber Omid ging nicht ans Telefon. Sajad und seine Frau griffen mich in der Stadt auf und fragten ob ich Hilfe brauche. >>Naja, ich kann meinen heutigen Gastgeben nicht erreichen.<< Prompt wurde ich in das Haus der Schwiegermutter eingeladen. Da wurde ich wieder gut versorgt mit allerlei Köstlichkeiten. Es wurde Spät und Omid meldete sich. Er komme gerade aus Isfahan und ich solle doch bei ihm übernachten aber das Quartier wollte ich nun nicht mehr wechseln. Das tat mit voll leid ihn da zu enttäuschen. Es war halt schlecht abgestimmt.
Am nächsten Mittag, ich war schon voll in der Spur und rastete an einer Tankstelle, da kam Omid vorgefahren. Oh man, was geht jetzt?! Er war wirklich meinetwegen 30 Kilometer die Straße auf und ab gefahren um mir Essen und Trinken zu bringen. Wir unterhielten uns und in seinem gebrochenen Englisch erzählte er mir, dass er am Vortag mit seiner Familie in Isfahan zur Beerdigung seinen Bruders war, der nach zwei Wochen an den Folgen eines Unfalls gestorben war. Daher sein schwarzer Look und die etwas finster-traurige Ausstrahlung. Aber ich war echt begeistert, dass er sich die Mühe machte mich aufzusuchen und mich noch zu bewirten. Ein toller und echt lieber Kerl.

Über Izadkhast ging es weiter nach Abadeh. Am Stadtrand liegt eine Kaserne und auch in der Stadt sind viele Männer in Uniform unterwegs. Irgendwann fuhr ein Zivilwagen neben mir mit vier Soldaten. Alle lächelten und noch im Fahren fragte mich einer nach meinem Reisepass. Auf Deutsch quasselte ich sie voll >>Na wenn ihr mich kontrollieren wollt, dann müsst ihr schon anhalten<< und ging weiter meine Wege. Als hätten sie es verstanden setzten sie sich vor mich und stiegen aus. Nun etwas ernster hieß es >>Passport!<< Mhh. Zivilwagen und keine Name an der Uniform. Ich fragte also vorher nach deren Ausweis. Sie kramten in Ihren Taschen und keiner konnte mir was vorlegen. >>OK Jungs. Ihr könnt mir eure ID nicht zeigen, so zeige ich euch meine auch nicht und keine Auskunft weiter!<< Die haben blöd geglotzt, sich entschuldigt, sind wieder ins Auto rein und weg waren sie. Nach zwanzig Minuten kamen sie wieder und der Alte und ranghöchste der Truppe hatte nun seinen Militärausweis dabei. >>Sehr gut! Warum nicht gleich so?<< Dann ging alles seinen Lauf und ich wies mich aus. Sie blätterten durch meinen Pass und da wurde schon moniert, dass mein Visum doch abgelaufen sei. Die hatten echt von nix Ahnung und so durfte ich für sie einfach mal eine Seite weiter blättern, wo meine Verlängerung eingetragen war. Die hatten echt keinen Plan und über dieses unprofessionelle Vorgehen hatte ich mich verärgert doch höflich ausgelassen. Das hatten die schnell verstanden und sich mehrmals entschuldigt bevor sie dann endlich abgezischt sind. Da konnte ich nur den Kopf schütteln.
Bald darauf sprach mich ein Teenager auf seinem Rad an. Nach langem und guten Gespräch bot er mir an, mit nach Hause zu kommen. Er fragte seine Elten um Zustimmung und sie gewährten. Echt klasse. Wieder ein Dach über den Kopf, gutes Abendessen und Fußball-EM Deutschland – Slowakei. Danke Mohammad Reza und Familie!

Nach Abadeh ging es runter von der Hauptstraße. Ich wollte Ruhe und etwas abschalten. Ziel war Eqlid und für die kommenden Tage ein kleines Tal. In Summe ein Tagesmarsch Umweg.
Auch in Eqlid hatte ich wieder ein Dach über dem Kopf, als mich der Englischlehrer Mosis mich zu seiner Familie einlud. Es war ein besonderer Feiertag an dem viel Essen gekocht und an die Verwandten und die Armen verteilt wurde. Wir machten auf seinem Motorrad noch eine Spritztour durch die Stadt bevor die ganze Sippe zusammen kam und ausgelassen gespeist und gefeiert wurde.
Weiter nach Aspas und Sedeh übernachtete ich einmal bei Ziegenhirten. Man legete mir eine Matte bereit und so verbrachte ich die Nacht unter dem Sternenhimmel.
Dann kam ein Tag, der hatte es in sich. Ein Straßenabschnitt, so 15 Kilometer, waren einfach nur ein mieser Feldweg mit vielen, oft steilen Hügeln. Meine Sandalen versanken teils fast vollkommen im Staub und dann noch die Hitze. Phuuuuuu! Die Landschaft erinnerte mich an Bilder aus New Mexico. Ich war mir nicht sicher, ob ich mit der Route richtig lag. In einem kleinen Dorf sahen zwei kleinen Kinder den Fremden und rannten erst mal zu Papa. Während ich meine Füße in einen kleinen Bach hielt und meinen Hut mit Wasser durchtränkt wieder auf meinen Kopf setzte, kam auch schon der Papa mit einer Kanne eisgekühltem Wasser und bot mir zu trinken an. Auch wenn ich zig Flaschen Wasser mit mir führte, eiskalt war in diesem Moment genau das Richtige. Am anderen Ende des Dorfes ging es dann endlich wieder auf Asphalt weiter bis in einen hübschen kleinen Ort namens Cham-e-Riz. Ziemlich sicher bin ich hier der erste Ausländer seit fünfzig Jahren gewesen. Es ist weit abgelegen, mitten im Nichts. Ich fragte ein paar Leute auf den Reisfeldern, ob ich nicht auf einen der abgeernteten Parzellen campen könne und es nett wäre, wenn diese über Nacht nicht geflutet würde. Da wurde nicht lange überlegt und Huck(-leberry) lud mich zu sich und seiner Familie ein.
Also ich kann echt nicht klagen. Wie ihr lest, haben die Leute hier ein wirklich großes Herz und so oft wie ich hier versorgt und eingeladen werde… Es ist echt klasse und erfüllt mich mit so viel Freude.

Kurz bevor ich wieder an die Hauptstraße nach Shiraz kam, stoppte mich die wieder mal Polizei. Bis auf einen Bullen waren hier im Iran die Polizisten immer sehr freundlich, so auch diese. Wie immer wurde zuerst nach meinem Pass gefragt und dann wollte man meinen Wagen kontrollieren. OK, Luke auf. Sie kramten nicht lange und fanden mein Pfefferspray. Der Besitz sei illegal im Iran, es sei denn, man habe eine Lizenz dazu oder man sei Polizist. Die Gesichter wurden sehr ernst und man rief ein paar Kollegen dazu. „Oh man! Jetzt gibt’s Ärger.“ dachte ich. „Was geht jetzt wohl ab?“ Mein Wagen wurde wieder huckepack auf einen Pick Up geladen und ich in einen der Polizeiwagen verfrachtet. Auf Handschellen hatte man aber verzichtet. Mir war echt nicht wohl auf der Fahrt zur Wache und tausende Gedanken schossen mir durch den Kopf was passieren könnte. Eine Woche hinter Gittern, plus Hundert Stockschläge, plus 1000 USD Strafe, plus Ausreise binnen 48 Stunden. Der Trip steht auf der Kippe. Ohhh mein Gott!
Da saß ich nun auf der Wache und atmete erst mal tief durch und versuchte Ruhe auszustrahlen. Endlich kam jemand, der vernünftiges Englisch sprach. Wir plauderten und und ich erzählte von meiner großen Reise. Zwischenzeitlich wurden auch noch die Bilder auf meiner Kamera gesichtet. Es ist verboten im Iran Bilder von Infrastruktureinrichtungen wie z.B. Kraftwerken, Staudämmen, Chemiewerken oder auch Militäreinrichtunen zu machen. Da gab es aber nichts zu beanstanden. Dann zurück zum Spray. Ich erklärte ihnen, dass ich es in Deutschland erworben habe und es lediglich zu Verteidigungszwecken auf meiner langen Reise einsetzen würde. Ich übersetzte ihnen die Hinweise auf der Dose. „Abwehrspray gegen angreifende Tiere… Es ist verboten das Spray gegen Menschen einzusetzen… bla bla bla…“ Man verschwand wieder und nach einer Weile wurde es mir wieder ausgehändigt. Ein Bericht wurde angefertigt mit Inhalt zu meiner Person, meines Vorhabens und dass es nichts zu beanstanden gibt. Mir wurde echt leichter aber etwas ungläubig wurde ich auch.
Das war wohl einfach nur gaaanz großes Glück was ich da hatte und ich würde jedem empfehlen das Zeug nicht einzuführen. Es gibt keinerlei Garantie, dass ein anderer genauso glimpflich davon kommt. Das war nicht mal ein blaues Auge.

Als freier Mann konnte ich nun einen Tag später nach Shiraz einkehren. Gutes Gefühl!

 

Wie geht es weiter?

Morgen werde ich Shiraz verlassen und mich auf meine letzte Etappe nach Bandar Abbas begeben. Das wird nochmal ca. 14 Tage dauern. In Bandar Abbas muss ich dann zügig mein Indien-Visum beantragen und einen Flug nach Bombay buchen. Da bin ich auch schon bei einem Problem. Wegen meiner riesen Kiste habe ich diverse Airlines angeschrieben, die die Strecke von Bandar Abbas bzw. von Dubai nach Bombay bedienen. Fest steht, dass es Cargo ist. Zwei Airlines haben bis jetzt geantwortet und meinten, die Kiste sei zu groß. (Ja, WHAT?) Da hilft alles nix. Nun glaube ich, dass ich mich in Bandar Abbas zu einer großen Entscheidung bewegen muss. Die Kiste muss weg! Stattdessen werde ich mir wohl eine große Reisetasche besorgen und diese auf den Rahmen schnallen, welcher dazu noch weit eingekürzt wird. Ich habe in den letzten Monaten schon allerhand an Material aussortiert. Thermoskanne (nie benutzt) ist raus oder z.B. auch mein Benzinkocher (einmal benutzt) und meine Winterklamotten sind auch schon nach Deutschland verfrachtet worden. Alles unnötiges Gewicht und ich werde mich weiter reduzieren müssen. Für den Flug hätte ich dann maximal etwas Sperrgepäck der Aluprofile meines Rahmens wegen und auch so würde mir um einiges leichter werden.
Wenn ihr jedoch eine viel bessere Idee habt, dann gebt Bescheid.

Liebe Grüße aus Shiraz