Taifun Hagibis

Seit mehr als 30 Stunden regnet es jetzt kräftig. Clive und ich haben eine kurze Spritztour unternommen und uns die Bäche und Flüsse rings um Minobusan angeschaut. Wassermassen ergießen sich aus den Bergen und die sonst kleinen Bäche und Flüsse haben sich in reißende Ströme verwandelt. Absoluter Wahnsinn.

Wir sitzen mit Bier in der Hand unter dem Vordach des Kakurinbo und beäugen das Wettergeschehen. In den Nachrichten wurde von Windgeschwindigkeiten jenseits der 150km/h gesprochen aber davon merke ich hier nichts. Es kam lediglich mal eine frische Brise auf. Voll langweilig. Ich will mein Geld zurück! 😡

[Update 21:30] Es hat aufgehört zu regnen und wir können den Mond sehen. Wir befinden uns also im Auge des „Sturms“.

Rugby World Cup 2019 Japan #2

Mit Henry im Schlepptau zurück im Kakurinbo, stießen gleich darauf auch Andreas und seine Freundin Irene zu uns. Nach dem gemeinsamen Abendessen ging es auf der Terrasse gemütlich mit ein paar Bierchen weiter. Einfach schön, mal wieder mit bekannten Gesichtern abzuhängen.

Für den kommenden Tag hatte ich den Dreien einen Ausflug zum Fuji versprochen. Das Wetter passte soweit und ich konnte für uns einen kleinen Van ausleihen. Erste Station: Motosu Lake. Vom Kakurinbo ist es ungefähr eine dreiviertel Stunde Fahrt durch die Berge östlich des Fujis. Am Ende fährt man durch einen Tunnel und kommt man wieder ins Licht, dann ist es einfach nur BÄMMMM! Plötzlich erblick man den Fuji in seiner ganzen Pracht. Immer wieder ein fantastischer Anblick.

Weiter auf unserer Runde machten wir halt bei zwei Höhlen, der Ice Cave und der Wind Cave. Hier hieß es Helm aufsetzten, ducken und auch mal auf dem Boden entlangkrabbeln. Diese Höhlen wurden lange als Vorratsspeicher genutzt, indem man in ihnen Eis einlagerte und so Lebensmittel länger halten konnte. Die Temperaturen reichen selbst im Sommer kaum über 2°C hinaus. Gleichzeitig dienten sie bis in die 50er Jahre auch als Arche für Samen verschiedener Bäume und Nutzpflanzen. Die Idee, nach Naturkatastrophen oder Missernten, mit diesen Samen in Natur und auf den Tellern wieder für Diversität zu sorgen und so auch ein kulturelles Erbe zu bewahren kam den Japanern also schon sehr früh.

Anstatt den Fuji nur aus der Ferne zu betrachten, fuhren wir doch mal direkt hin. Auch für mich ein Novum. Gemütlich ging es mit dem Van bis auf rund 2300 Meter Höhe. Die dortige Bergstation ist Ausgangspunkt für Tourengänger und Besteiger. Weiter höher sind wir aber nicht gekommen. Die Pfade zum Gipfel/Krater sind nur im Sommer für ein paar Wochen freigegeben. Klettertechnisch soll der Fuji auch für Ungeübte leicht erklimmbar sein, denn klettern muss man nicht. Nur eine gute sportliche Kondition sollte man haben. Daher muss man sich in der Saison an einem Tag den Berg mit 4000 weiteren Leuten teilen. Massentourismus pur. Ich glaube, das macht keinen Spaß. Ganz ungefährlich ist es trotzdem nicht. Diesen Sommer kam eine russische Touristin ums Leben, nachdem ihr Torso von einem herabrollenden Stein zerschmettert worden war.

Jedenfalls genossen wir die kühle Bergluft und den Ausblick auf das Umland, bevor wie wieder in Richtung Kakurinbo aufbrachen, jedoch nochmal einen Stopp am Motosu Lake einlegten. Das klare, tiefblaue Wasser lädt geradezu zum Baden ein. Einfach herrlich. Henry war so sehr motiviert und unausgelastet, dass wir ihn irgendwann aus den Augen verloren und fast schon am anderen Ufer vermuteten. Soweit schwamm er raus. Ein guter Ausklang von Tag war das. Nach dem Abendessen versammelten wir uns wieder mit ein paar anderen Gästen auf der Terrasse und schauten zu ein paar Bieren Rugby.

Am Tag drauf stand die Zugfahrt nach Toyohashi auf dem Plan. Im dortigen Hotel wartete schon der anderer Teil unserer Reisegruppe auf und Florian mir Freundin Rike, Martin und Johannes. Jetzt waren wir komplett. Den Abend ging es noch ordentlich Sushi essen. Teller für Teller, Häppchen für Häppchen. Irgendwie kann man da nicht aufhören wenn man sollte. Soooo guuuut!

Den nächsten Morgen saßen wir dann schon im Zug zum Stadion. Die Partie Südafrika – Italien war angesetzt. Eigentlich wollten wir uns noch etwas Kulturprogramm in der Nähe geben aber wir fühlten und in der Fanzone mit unseren Bentos (Das sind kleine Lunchboxes aus dem Supermarkt, z.B. mir Sushi) und viel Bier so richtig wohl, dass wir keinen weiteren Gedanken an Tempel oder Museen verschwendeten. Einfach ein guter Tag und die richte Atmosphäre um in Stimmung für das Spiel zu kommen. Und das Speil selbst? Es ging wieder sehr eindeutig für Südafrika aus aber aus war wesentlich attraktiver als das Spiel gegen Namibia. Auch im Stadion war wesentlich besserer Stimmung. Alles im Allen ein sehr gelungener Tag und Abschluss für mich. Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege nämlich schon wieder. Florian und die anderen Drei sowie Andreas mit Irene hatten jeweils andere Reisepläne und Henry musste nach Osaka zurück zum Flughafen und so verabschiedeten wir uns alle am Bahnhof.

DANKE Jungs und Mädels. Es war schön mit euch!

Rugby World Cup 2019 Japan #I

It’s time for Rugby! Die Weltmeisterschaft im Rugby Union ist im vollen Gange und auch ich bin in diesem Jahr mit dabei. Schon 2015 hatte ich Karten für die damalige WM erhalten, entschied mich dann jedoch, meine Teilnahme abzusagen und einmal um die Welt laufen zu wollen. Ich musste halt Prioritäten setzen. 😀 Dieses Jahr aber passt alles. Die Weltmeisterschaft 2019 wird von Japan als Gastgeberland ausgetragen und ich bin sowieso hier. Und noch viel besser… Freunde und zugleich ehemalige Teamkollegen aus Jena haben sich angemeldet und so planten wir zusammen einen kleinen Trip.

Freund Henry versprach ich vom Flughafen in Osaka abzuholen. Auf die Frage, mit welchem Verkehrsmittel wir durch Japan reisen sollten, standen zwei Optionen im Raum. Mit Zug und Bus oder mit einem Leihwagen. Als ich mit Henry darüber beriet, meinte ich dann ehr  so scherzhaft, dass ich einen Freund fragen könnte, ob er mir einen seiner Porsche ausleihen würde? Am nächsten Morgen dachte ich dann aber, dass ich ihn wirklich mal fragen sollte. Ich meine, wenn er Nein sagt, dann ist das auch okay und wenn er doch Ja sagt, dann wäre das `ne geile Scheiße. Am Ende war es `ne Geile Scheiße! Auf meine Frage hatte er für ein paar Sekunden überrascht geguckt, fing dann langsam an zu nicken und dann meinte er „Joaaa. Das ist in Ordnung.“ Ich könne seinen Porsche Boxster für ein paar Tage haben. Und ich konnte es selber kaum glauben. Ein riesen Grinsen kam mir ins Gesicht. Einfach nur Geilo! Ich bin echt ein Glückspils.

Also ging es stilecht im deutschen Sportwagen erst einmal zum 400 Kilometer entfernten Kansai Airport nach Osaka um Henry abzuholen. Das Wiedersehen war besonders herzlich. Henry hatte mir schon in Georgien einen Besuch abgestattet und da hatten wir schon eine gute Zeit. Hier in Japan sollten wir daran anknüpfen. Zusammen brausten wir weiter nach Kyoto. Na ja „brausten“ wäre übertrieben formuliert. Porsche hin oder her. In Japan ist es kaum möglich schnell zu fahren. Auf dem Express Way sind in der Regel 100km/h erlaubt, oft auch nur 80km/h. Zu selten mal 120km/h. Das heißt, es ist mehr ein dahintuckern und es dauert seine Zeit.

Nach einem reichhaltigen Sushi-Abendessen, schauten wir uns am Tag darauf  ein wenig Kyoto, die alte Hauptstadt Japans,  an und waren sehr überrascht. Es war nicht überlaufen und alles hatte seinen Charme. Es war so typisch Japan. Unsere Zeit reichte allerdings nur für einen Besuch im Kaiserpalast und der Burg Nijo. Wir mussten nach Toyota weiter, denn da war das erste Spiel, Südafrika – Namibia.

Vor dem Stadion trafen wir dann auf Andreas, ebenfalls ein ehemaliger Jenaer Spieler und Freund sowie seine Freundin Irene. Jetzt konnte es endlich losgehen.

Südafrika gegen Namibia, das klingt nach einem tollen Derby aber die Rollen waren klar verteilt. Es war, als würde der FC Bayern gegen 1860 München spielen. Die Südafrikander haben seinen Nachbarn so sehr dominiert, dass das Spiel irgendwie langweilig wurde. Besser wurde es dann schon nach dem Spiel. Wir suchten ein kleines Restaurant auf, hatten da wieder gut gegessen und jede Menge Spaß mit den Mitarbeitern und Gästen. Es ist super einfach mit den Leuten in Kontakt zu kommen und selbst wenn es die eine oder andere Sprachbarriere gibt, dann macht es das nur noch interessanter und oft auch lustiger. Viel gelacht und viel getrunken verabschiedeten Henry und ich uns von Andreas und Irene. Wir sollten uns in ein paar Tagen wiedersehen.

Im gelben Flitzer fuhren wir nordwärts auf die kleine Insel Noto zu einem kleinen und hübschen Fischerdorf und verbrachten dort zwei weitere Nächte. Unser Gasthaus lag nur von einer Straße getrennt direkt am Meer. Die Zimmer mit Tatami-Matter ausgelegt, geschlafen wurde auf Futons. Ganz typisch japanisch also. Ganz in der Nähe lag ein großes Aquarium, welches wir besuchten. Gleich zu Beginn traten wir an ein riesiges Becken mit Haien, Rochen und vielerlei andren Fischen. Beeindruckend! Eine große Bandbreite an anderen für Japan typische Meeresbewohnern gab es in weiteren Aquarien zu begutachten. Nur die Pinguine passten da nicht ganz ins Bild. Ein Jahrgang von Grundschulschülern hatte besonders seinen Spaß an der Delphin-Show. Ringe fangen, über Stangen springen und natürlich viele Saltos in der Luft begeisterten die Kleinen immens und Henry und ich… wir fanden es auch ganz nett. 😀

Ein Emu am Nachthimmel

Der Himmel in der südlichen Hemisphäre ist einfach nur atemberaubend schön. Alles schaut hier klarer und intensiver aus. Trotz Kälte habe ich mich in so mancher Nacht aus dem Zelt gewagt. Diese Schönheit wollte ich unbedingt im Bild festhalten.

Völlig andere Sternenbilder stehen hier am Himmel. Besonders einprägsam ist die Formation des Kreuz des Südens als Richtungsweiser. Und bei guten Bedingungen erkennt man auch zwei weiße, helle Flecke – die große und die kleine Magellansche Wolke.

Die Aborigines sagen, dass in der Milchstraße ein großer Emu zu erkennen ist. Wenn du ihn aber in den Sternen suchst, wirst du nicht fündig werden. Du musst in das Dunkle schauen.

Ein wenig verloren

Wow! Was wohl am meisten hängengeblieben ist, wenn ich so an Australien denke, ist die große Weite der ich begegnet bin. Mein Rhythmus: Ich laufe drei Tage bis in die nächste Stadt, versorge mich mit Lebensmitteln und erst nach weiteren drei bis vier Tagen und hundert bis hundertdreißig Kilometern erreiche die nächste Stadt um mich wieder für die nächsten Tage zu versorgen. Und so ging das einige Wochen. Zwischen den Städten war eigentlich so gut wie nichts. Wald und vor allem Farmland bestimmten den Blick. Hier und da ein paar Häuser doch heutzutage sind diese oft unbewohnt. Die Menschen kommen nur noch zur Saison, wenn sie die Felder bestellen oder abernten oder zum Zusammentreiben der Schafe und der anschließenden Schur.

Und da lief ich nun durch dieses weite, fast schon unendliche Land. So weit von Allem fühlte ich mich oft etwas verloren, empfand es als erdrückend unwirklich. Ohne den täglichen Blick auf mein Smartphone hätte ich jegliches Gefühl für die Wochentage verloren. Zeit spielte keine Rolle. Ein Tag folgte dem anderen mit zahllosen Schritten. Erst jetzt im Nachhinein fühle ich mich jedoch überwältigt. Ich glaube es ist das Gefühl der Erleichterung, dass es doch vorbei ist und Australien hinter mir liegt.

Es war wieder einmal ein harter Weg. In den zwei Monaten und auf rund 1800km hatte ich nur einen Tag Rast eingelegt. Sonnenbrand auf den Waden. Eiskalte Nächte mit Temperaturen oft unter dem Gefrierpunkt. Die Dusche aus der Flasche mit dem kalten Wasser war immer eine Überwindung.

Leute fragten mich, ob es je einen Tag auf meiner Reise gab, an dem ich auf niemanden getroffen bin, mit niemanden ein Wort gewechselt habe? Ich musste stark überlegen aber mir war kein ein solcher Tag eingefallen. Doch diesmal sollte dieser Tag kommen, irgendwo im Pilliga Forest. Kein Auto das hielt. Niemand der mich fragte, ob alles in Ordnung sei? An diesem Tag war ich ein einsamer Wandersmann auf einer weiten Straße.


Bob Dylan’s „Mister Tambourine Man“ war eine gute Inspiration auf dieser Etappe. Ich habe eine kleine Slideshow mit Fotos all der endlosen Straßen zusammengestellt. Vielleicht bekommt auch ihr so ein Gefühl von dieser grenzenlosen Weite.

Melbourne / Croydon

Zwei harte aber dennoch wundervolle Monate liegen hinter mir und ich bin überglücklich in Croydon, einem Vorort von Melbourne, eingetroffen zu sein. Auf meiner Liste kann ich also hinter Australien einen Haken setzten. Darunter steht auch schon das nächste Ziel, Neuseeland. Aber das wird noch etwas dauern. Es ist immer noch Winter auf der Südhalbkugel und in den letzten Wochen musste ich ganz schön frieren. Von den Temperaturen her war es wirklich ein unkomfortables Reisewetter. In Neuseeland, was noch weiter südlich liegt, lasse ich daher lieber erst einmal den Sommer einkehren und fliege vorrübergehend wieder nach Japan und kehre Mitte November wieder nochmal nach Australien zurück. Ich habe eine Einladung nach Tasmanien erhalten, die ich nicht ausschlagen kann und Weihnachten würde ich gern noch einmal mit meinen Verwandten in Mackay verbringen wollen. Und im Januar geht es dann endlich nach Neuseeland. Es ist also noch viel Zeit bis dahin.

Jetzt aber möchte ich erst einmal den vielen Leuten danken, denen ich hier in Australien begegnet bin und die mir eine wundervolle Zeit beschert haben und mich mit ihrer Gastfreundschaft und Herzlichkeit enorm unterstützt haben. Vielen Dank an meine Family in Mackay mit Tante Hannelore, Sabine, Jessica und Marcel. Danke an Laura. Danke an Familie Gifford mit Kris und Bob in Gold Coast und Kelly mit Familie in Townsville sowie die vielen anderen Familienmitglieder in Kingscliff. Auch vielen Dank an Cathy und Rod Hearps, Sohn Frazer und die lieben Nachbarn in Tamborine Mountain. Ganz großen Dank auch an Benito mit seiner Familien und der ganzen Bruderhof-Gemeinde in Elsmore. Danke an Bill und Ann Williams in Dubbo. Danke an Timothy und Leasa Strichow in Castella. Danke an Jenny Parkinson (Wir sehen uns in Tasmanien). Und Danke an alle, die ich jetzt vielleicht unglücklicherweise vergessen habe zu erwähnen.

DANKE AUSTRALIEN!

CSIRO Parkes Radio Telescope

Südlich von Dubbo machte ich einen kleinen Umweg zum CSIRO Parkes Radio Telescope. In diesem Jahr stehen ja viele astronomische Artikel im Zeichen des 50. Jahrestages der ersten Mondlandung und dieses Radio-Teleskop hat seinen Teil dazu beigetragen, zumindest was die TV-Übertragung der ersten Schritte Neil Armstrongs angeht. Als der nämlich die Luke öffnete, befanden sich die USA etwas vom Mond abgewandt. Australien stand jedoch im richtigen Winkel und so wurde das Teleskop auf den Mond gerichtet um von dort die Funksignale und Bilder in die USA weiterzuleiten. So leistete also dieses Teleskop einen kleinen aber jedoch sehr wichtigen Beitrag in einem der wohl komplexesten technischen Unterfangen seiner Zeit.

Und ja… Das ist einen riesige Schüssel. Im Englischen einfach „The Dish“ hat sie einen Durchmesser von satten 64 Metern und wiegt 300 Tonnen. Das Gegengewicht, um die Konstruktion im Gleichgewicht zu halten wiegt nochmals 475 Tonnen. Beineindruckende Zahlen. Noch beeindruckender ist es aber, wenn man davor steht.

 

Parkes RadioTelescope Users Guide

 

 

 

I was a stranger…

Ein Tag neigte sich mal wieder dem Ende und wie so üblich war ich wieder auf der Suche nach einem  Schlafplatz. Da tauchte dieses Schild BRUDERHOF vor mir auf. Da es mehr als deutsch klang und auch noch WELCOME drunter stand, wollte ich da doch hinschauen. Vorher googelte ich aber noch danach. Aha, eine christliche Gemeinde,  in den 1920ern in Deutschland gegründet. Etwa wie die Amish in den USA? Etwas skeptisch nahm ich den Versuch an. Es sollte eine wundervolle Erfahrung werden.

Hinter dem Hügel kam ein kleines Dorf zum Vorschein. Die Bewohner kamen mir offen entgegen und ich fragte nach etwas Wasser und einem Platz für mein Zelt. Sofort hieß es, dass man für mich bestimmt auch ein Zimmer hätte. Ich sei herzlich willkommen. Als man mich fragte, wo ich herkommen und ich mir Jena antwortete, wussten gleich alle Bescheid wo das liegt, denn in Bad Klosterlausnitz – also gleich nebenan – gibt es ebenfalls eine Gemeinde.

Als erstes wurde ich zu Martin geschickt, einem Sohn deutscher Auswanderer. Mit ihm hatte ich bei einer Tasse Tee eine richtig gute Unterhaltung. Ich wollte alles über das Leben hier wissen und warum er sich zu einem Leben in einer solchen Gemeinschaft entschlossen hat. Kurz gesagt war er als Programmierer für eine Versicherungsgesellschaft tätig, war viel auf Reisen und hat dabei sehr gutes Geld verdient. Aber irgendwann sagte er sich, dass es das nicht mehr sei. Eine große Leere kam in ihm auf, die kein Geld und kein noch so teures Auto füllen konnte. Es war an der Zeit für einen Lebenswandel und auf der Suche nach Glück und Erfüllung ist er hier fündig geworden, auch wenn die Umstellung mehr als hart war. Grund ist, dass hier alles vollkommen anders funktioniert. Er meinte, es sei wie ein Kloster für Familien. Es gibt keinen persönlichen Besitz oder eben nur sehr eingeschränkt. Man verdient kein Geld für sich, teilt alles mit der Gemeinschaft. Man arbeitet für die Gemeinschaft und die Gemeinschaft arbeitet für einen. Ale unterstützten sich gegenseitig.

Die Gemeinde hier, östlich von Inverell wurde 1999 gegründet. Damals standen hier ein paar einfache Hütten. Heute ist es ein Dorf mit modernen Häusern und rund 200 Bewohnen. Größtenteils versorgt man sich aus der eigenen Landwirtschaft. Um aber zu wachsen braucht man Einnahmen. So fing man mit einfachen Schildern aus Holz geschnitzt an. Schaut man sich jetzt um, steht da eine riesige Metallwerkstatt und da werden Schilder und Aufsteller für Einkaufszentren, Parkhäuser etc. gefertigt, teilweise bis zu sechs Meter hoch.

Später begrüßte mich Benito. Bei ihm und seiner Familie sollte ich die Nacht verbringen und da irgendjemand die Idee einwarf, dass ich den kommenden Tag den Kids in  der Schule über meine Reise erzählen könnte, entschied ich mich gleich noch den kommenden Tag zu bleiben. So stand ich den nächsten Morgen vor den Schülern und erklärte auf einer Weltkarte meine Reise und zeigte meinen Wagen. Darauf führte mich Benito durch das Dorf. Ich half etwas in der Werkstatt aus, raute die Oberflächen der Alubleche an, entgratete die Ränder, reinigte die Bleche und bereitete sie so für den Druck vor.

Ich bekam viele neue Gesichter zu Gesicht – fast schon zu viele – und ich war überrascht, wie viele Leute Deutsch sprachen. Aus allen Teilen der Welt kommen sie und nicht wenige haben eine Zeit lang in Deutschland gelebt. Große Gemeinden finden sich aber in den US-Bundesstaaten New York und Pennsylvania. Sollte ich durch die USA kommen, solle ich auf jeden Fall in den dortigen Gemeinden vorbeischauen.

Abends trifft sich die Gemeinde oft zum gemeinsamen Gesang und Musizieren. Im Kreis zusammensitzend, stimmt man dann alte volkstümliche Lieder auf English und Deutsch an. Das sind einfach Dinge, die ich so diese Tage nicht erwartet hatte, genauso wie den wirklich guten Glühwein der serviert worden war. Ich glaube das war mein erster in Shorts.

Es gibt noch so viele Dinge die ich hier schreiben könnte, so viele Aspekte, so viel Input, der mich in diesen zwei Tagen erreicht hat. Es würde jetzt hier den Rahmen sprengen aber ich habe viel zum Nachdenken bekommen. Das Leben in einer Gemeinde wie dieser zeigt einen vollkommen anderen Lebensentwurf auf. Was mich wirklich beeindruckte und zu tiefst berührte war diese überwältigende Herzlichkeit der Leute.  Es war mehr als nur Gastfreundschaft. Es war das gelebte Wort Jesus Christus. „I was a stranger, and you welcomed me.

Ach und bevor ich es vergesse… Kein Apfelmus auf Pizza!

Nullkommanichts für mich

Ach ich denke es läuft ganz gut. Gestern hatte ich zu guter Letzt noch den Bolivia Hill zu erklimmen bevor ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz machen wollte. Oben, an einem kleinen Rastplatz angekommen hielt ein Wagen neben mir. Der Mann im Wagen sagte im ernsten uns lauten Ton und zeigte dabei mit dem Finger auf mich: „Drei Kilometer die Straße runter habe ich einen Caravan-Park und du nimmst einen heiße Dusche! Kookaburra. Folge einfach der Beschilderung.“ Vorsichtig fragte ich, was es denn koste? „Für dich nichts! ZERO!“. Okay, dachte ich mir. Das scheint ein faires Angebot zu sein und irgendwie lässt er mir auch keine andere Wahl. Also auf und den Berg schnell runter.

Es gab richtig viel Platz um sich auszubreiten und das Beste waren eben die heiße Dusche und die Möglichkeit meine Klamotten kurz durchzuwaschen. Mit meinen unmittelbaren Nachbarn hatte ich einen kleinen Schwatz. Jeder guckt natürlich, wenn da einen zu Fuß mit einem Karren hinten dran eintrifft.

Zusammen mit einem gewissen John saß ich dann noch am Lagerfeuer. Wir unterhielten und über Land und Leute und etwas Gitarre spielte er auch noch. Ein besseres Ende hätte dieser Tag kaum haben können.

Am nächsten Morgen kam dann noch der freundliche Herr, der mir den Platz angeboten hatte mit einem breiten Grinsen entgegen. Dunkin – so sein Name – hätte gern an diesem Abend noch ein paar Worte mit mir gewechselt und ein paar mehr Bierchen getrunken aber er war leider zu beschäftigt. Ich konnte ihm nicht mehr als ein großes Dankeschön geben. Toller Typ.

 

 

Heute traf ich dann noch auf Sam. Sam überholte mich auf dem Highway und war so überrascht von meinem Wagen, dass er gleich nochmal umdrehen musste. Auch er fragte mich natürlich zu meinem Trip aus und fragte mich, ob ich nicht irgendetwas an Equipment brauche. Einen Grill, eine Hängematte oder einfach eine Tasse. Verwundert fragte ich mich, warum er mir das alles anbietet. Na ja, sein Van war voll von dem Zeug. Er hatte seinen alten Job aufgegeben, seine eigene Firma „Alton Goods“ gegründet und entwickelt und produziert seitdem ultraleichte Campingutensilien. Grad sei er eben auf dem Weg nach Melbourne um seine Produkte Händlern vorzustellen.

Ich konnte nicht wirklich etwas davon gebrauchen aber da er fast schon darauf bestand, habe ich mich für das Grillgitter aus Titanlegierung entschieden. Lebenslange Garantie, Kaufpreis 65 AUD. Für mich wieder Nullkommanichts. Am gleichen Abend hatte ich dann noch die Möglichkeit bei einem Lagerfeuer den Grill auszuprobieren. Corned Beef aus der Dose war also der Fleischbällchenersatz und dazu noch Käse im Fladenbrot über den heißen Kohlen gegrillt. Perfekt!

 

Gold Coast

Maaaan hab ich Muskelkater. Ich bin echt aus der Übung aber das wird schon wieder.

Als erstes hab ich aber ein paar Bilder aus dem Lamington National Park. Ja, ich war schon wieder da. Meine Gastfamilie in Tamborine hatte einen Tagesausflug unternommen und ich war natürlich mit dabei. Bin immer wieder begeistert von der ganzen Szenerie.

 

 

Runter von Tamborine Mountain bin ich nun an der Gold Coast. Palm Beach ist das Zuhause der Eltern meines ehemaligen Rugby-Teamkollegen Darren. Chris und Bob sind so lieb, mich für zwei Nächte zu beherbergen und etwas rundzuführen. Eine hübsche Gegend hier. Da würde ich glatt bleiben wollen.