Auf die australische Art

Australien scheint immer für Überraschungen gut. Dass die Distanzen zwischen den Orten so groß sind, überraschte mich aber nicht wirklich. Es ist ein neues Level mit einigen Herausforderung die da auf mich drauf zukommen werden. 100 Kilometer von Supermarkt zu Supermarkt?! Das war noch einfach aber es wird irgendwann noch schlimmer. Das heißt dann genügend Verpflegung einzupacken. Zumindest kommt gelegentlich auch mal eine Tankstelle, an der ich meinen Wasservorrat auffüllen kann aber sonst ist Ebbe. Ich muss wirklich gut von Etappe zu Etappe planen.

 

Überraschungen anderer Art zeigt Australien aber auch in Sachen Lebensstil und Kreativität. Manchmal fühle ich mich wie im Wilden Westen obwohl ich doch so weit im Osten bin. Weiter als die Kommunisten jemals hätten kommen können. Ja, so der Baustil der Gebäude und die Einrichtung der Pubs, das hat alles so seinen eigenen Charakter.

Ein wenig verloren wirken die Weihnachtsdekorationen in der prallen Sonne aber so hat es eben auch seinen eigenen Charme. Selbst ein Schild, welches auf den Christmas-Bachlauf hinweist, wurde feierlich geschmückt.

Und ganz typisch Australien… Kängurus. Okay, die kleineren Vertreter, wie auf den Bildern zu sehen, nennt man Wallaby. Sieht für mich aus wie eine Mischung aus Hase und Reh. Putzig zu sehen, wie sie so über die Wiesen springen.

 

Little Italy

Die ersten zwei Wochen auf australischen Boden liegen hinter mir und all die Eindrücke, die ich jetzt schon in mich aufnehmen konnte möchte ich mit den Worten Staunen, Inspiration und Genugtuung beschreiben. Es ist ein großer Wandel, der sich hier auf den ersten Kilometern vollzogen hat. Eine völlig neue Welt die sich da vor mir auftut, weit weg von Asien. Es ist ein Fleck auf unserer Erde, der um ganze Zeitalter älter ist. Ein Blick in die Natur verrät, dass hier die Zeit langsamer läuft. Cydaden, palmenartige Farne, die sich in Jahrmillionen kaum verändert haben und die vielen Bäume, die nach Buschfeuern schwer beschädigt, wieder grün treiben. Nichts scheint sich ändern zu wollen. Alles strebt nach Bestand. Und wenn ich so nachts in meinen Zelt liege und alle die neuen Geräusche höre… Es ist eine neue Welt und ein neuer Geist die mich umgeben.

 

Die ersten Tage ging es vorbei an scheinbar endlosen Zuckerrohrfeldern. Ich fragte an einem der verstreut liegenden Häuser, ob ich nebenan mein Zelt aufstellen dürfe. Sohn und Mutter redeten irgendwas aber es war kein Englisch. Sie erklärten mir, dass sie italienische Wurzeln haben und ich noch viel mehr italienischstämmige Leute in dieser Region finden werde. Dem war auch am zweiten Abend so, als ich den Besitzer auf seine große Nase aufmerksam macht und fragte ob er auch Italiener sei. Und klar war er das. Viele Italiener migrierten nach dem zweiten Weltkrieg nach Australien und ließen sich hier im Norden der Ostküste nieder. So wird dieser Teil auch gerne „Little Italy“ genannt.

 

In Summe finde ich bis jetzt den australischen Menschenschlag recht entspannt. Schön, wenn man in der Mittagshitze einfach mal ein kaltes Wasser von den Autofahrern gereicht bekommt oder mir eines Morgens, als ich mein Zelt zusammenpackte, eine Spaziergängerin mit ihrem Hund kam und mir einen großen Beutel mit Bananen, Ananas, Mangos uns Passionsfrüchten brachte.

Zweimal wurde ich auch ins Haus eingeladen. Man hält Smalltalk auf der Straße und dann heißt es plötzlich „Wenn du magst, kannst du heute bei uns schlafen.“ Ein Angebot, dass ich nicht ablehnen kann. Steaks und dicke Fritten und auch mal ein frischer Salat. Selbstgebrautes Bier oder gar selbstgebrannter Bourbon. Eine heiße Dusche und die Wäsche frisch gewaschen. Tolle Begegnungen mit tollen Menschen. Danke dafür!

 

Cairns Botanic Gardens

Einen kleinen Eindruck von der Vegetation Australiens bekam ich heute im Botanischen Garten von Cairns. Ein hübscher Flecken an den man es aushalten kann, besucht man ihn nicht gerade in der Hitze der Nachmittagsstunden. Von „schon mal gesehen“ bis hin zu „mir völlig neu“ und „eigenartiges Teil“ war für das Auge alles dabei. Hier eine kleine Auswahl.

 

Da bin ich nun…

… Australien 😀

Die Anreise verlief problemlos und die ersten acht Kilometer vom Cairnser Flughafen zum Hostel habe ich auch schon hinter mir. Cairns, das liegt weit im Norden der Ostküste Australiens. Es ist heiß hier. Sehr heiß. Die Bewohner der gesamten Küstenregion schmelzen unter einem Jahrhundertsommer einfach nur dahin. Mit lokalen Temperaturen von bis zu 45°C liegt alles weit über dem Mittel aber für die kommenden Tage ist wieder mit Normalzustand zu rechnen. Also 35°C und auch Regen ist in Sicht. Das macht es dann auch für mich leichter, wenn ich meine Füße entlang des Highways schwinge.

Australien – Neuer Kontinent – Neues Glück – Und viel mehr, was mich umbringen kann. Auf meinem Weg in die Stadt sah ich schon die ersten Warnschilder an den Flüssen. „Achtung Krokodile“ Man solle möglichst das Baden und Fischen unterlassen. Ja, eine Begegnung, die ich nicht haben muss. Ebenso sind mir auch die ganzen Schlangen und Spinnen ein Graus. Gestern Abend krallte sich irgendein großer Käfer an meinen Zeh und ich hab mich so erschrocken. Es dauerte einen Moment, bis ich ihn da runterbekommen hatte und war leicht panisch. Kontakt unerwünscht! Ganz besonders muss ich mich vor diesen riesigen Koalabären in Acht nehmen, damit die mich nicht fressen. 😉

Aber sonst macht alles einen guten Eindruck. Die Stadt ist sehr gepflegt und aufgeräumt. Kein chaotischer Verkehr mehr. Alles läuft hier in geordneten Bahnen. Das ist ein großer Unterschied zu vielen Teilen Asiens. Den ersten Eukalyptus habe ich schon entdeckt. Die Leute sind ebenfalls gut drauf. Ein paar fragten mich schon auf der Straße, was ich hier vorhabe, als sie mich mit meinem Wagen laufen sahen oder ich mir in einem Laden für Campingzubehör eine neue Matte besorgte. Alle waren total begeistert und wünschten mir viel Glück und Erfolg. Es ist recht einfach hier ins Gespräch zu kommen. Alle sind sehr aufgeschlossen.

Es wird sicherlich spannend diesen neuen Kontinent zu bereisen.

Schluss mit Asien

Meine letzten Tage auf Bali habe ich entspannt angehen lassen. Zuvor hatte ich in Ubud einige Tage verbracht, mir dort einen Roller geliehen und auf diese Weise noch etwas die Insel erkundet. Einen Roller zu mieten, das ist das, was ich sowieso jedem von euch  empfehlen kann. Einfach gemütlich auf den kleinen Nebenstraßen dahinfahren. Es gibt Leute, die buchen für viel Geld Touren und bezahlen dafür, Reisterrassen zu sehen. Dabei lässt sich Bali so schön selbst und unabhängig erkunden, fern von allen Touristenströmen vorbei ein den kleinen Tempeln, die viel authentischer sind und man tritt nicht bei jedem Schritt jemanden auf die Füße. Und durchquert man die Dörfer, so überraschen die unzähligen Haustempel. Wirklich fast jedes Privathaus und Familie besitzt ihren eigenen Tempel und Schrein. Und zwischen den Dörfern, da liegen die Reisfelder. Haltet an und genießt in aller Ruhe das Grün. Geht in die kleinen lokalen Streetfood-Restaurants, Warung genannt. Die sind sowieso lecker und günstig. Schon ab 30 Eurocent kann man eine kleine Mahlzeit erhalten. Im Schnitt liegt der Preis jedoch bei einem knappen Euro und man wird satt. Reis, Tofu, gepresste Sojabohnen genannt Tempe, Reiscracker, Gemüse und Blätter, Hühnchen und seit Bali auch mal wieder Schweinefleisch und natürlich Sambal, eine gute Chilisauce. Das sind so die Standards, die hier auf dem Teller landen. Einfach gut!

Von Ubud wanderte ich noch zwei Tage nach Jimbaran, einer kleinen Halbinsel ganz im Süden Balis und recht nah am Flughafen. Hier ist Endstation und es ist Zeit meinen Flug nach Australien vorzubereiten. Ich hab schon meinen Koffer, Rahmen und Räder geschruppt und gespült, denn die Umweltbehörden in Australien sind da echt pingelig, wenn man kleine Krabbeltiere oder Pflanzen, bzw. deren Samen einschleppt, da diese sich invasiv verbreiten könnten.

 

 

Es wird also Zeit, Indonesien und vor allem Asien auf Wiedersehen zu sagen. Streng genommen befindet man sich ja schon auf der Ostseite Istanbuls in Asien. Wenn ich so überlege, wie viel Zeit ich gebraucht habe?! Wie viel unterschiedlicher dieser Kontinent in seiner Vielfalt an Menschen nicht sein könnte?! Der Reichtum an Kulturen und Lebensweisen. All diese verschiedenen Düfte und Klimata. Erst jetzt im Nachhinein fällt mir die Kinnlade runter. Diese Weite, die ich hinter mir gelassen habe. WOW!!! All die Herausforderungen, die es zu meistern galt. Ich mein, Europa war ein Kinderspiel und Pillepalle. In Asien musste ich aber viel lernen um zurechtzukommen. Ich musste viel über mich lernen und über mich hinauswachsen. Das ist kein Spaziergang hier. Einige Male standen mir die Tränen in den Augen und ich habe sowas von geflucht. Hauptsächlich über Wetter und Gelände aber auch über die Unverschämtheit mancher Leute. Es gab Momente, da saß ich in Restaurants und die Leute schauten mich an, da ich vor Erschöpfung kaum noch meine Gabel in der Hand halten konnte. Alles zitterte an mir. An manchen Abend bewege ich mich nur noch wie ein alter Mann. Alles geht langsam von statten.

Eine Sache habe ich aber wirklich gelernt und das brauchte seine Zeit. Lachen, auch wenn es wehtut!

Weg von der Küste

Ich muss sagen, die Küste fand ich etwas langweilig. Vielleicht aber war ich einfach nicht an den richtigen Spots aber es erschien mir lieber, über die Insel in die Berge anstatt um sie herum zu laufen. Landschaftlich war es traumhaft, manchmal ein wahrer Garten Eden  aber es ging nochmal so steil bergauf… phuuuuuuuuuuuu dafür hasse ich mich jedes Mal. 😅

Hier ein paar Fernwehbilder

 

Von Shiva empfangen

Gleich zu Beginn, direkt nach dem Übersetzen von Java nach Bali, wurde mir verdeutlicht, dass Bali der wohl größte Außenposten (vielleicht noch neben Mauritius) des Hinduismus ist. Direkt gegenüber dem Anleger nahm mich eine große Shiva-Statue in Empfang.

Als ich die letzten Tage so über die Insel wanderte, da kamen mir so viele Bildnisse der hinduistischen Götter und Dämonen so vertraut und gleichzeitig so fremd von. Zu weit von seinen Ursprüngen entfernt und immer wieder isoliert, drückt sich auf Bali der Hinduismus in völlig anderen Formen und Farben aus.

 

Ijen

Noch einmal sollte es auf einen der zahlreichen Vulkane Indonesiens hochgehen. Diesmal jedoch auf eigene Faust. Mit zwei weiteren Gästen aus meinem Hostel fuhren wir mit Motorrollern die Straße hinauf und übernachteten bei Lagerfeuer einfach auf unseren Matten unter freiem Sternenhimmel.

Um 01:00 Uhr, geweckt von ankommenden Kleinbussen und Touristen packten wir schnell unsere Sachen und liefen die restlichen paar Kilometer bis zum Krater hinauf. Ein Phänomen des Ijen sind die blauen Flammen, die am besten bei völliger Dunkelheit zu beobachten sind. Also galt es sich etwas zu beeilen und vor den anderen Besuchern da zu sein und diese alles mit ihren Lampen ausleuchten. Ein unersetzliches Utensil auf dem Vulkan sind Gasmasken. Im Krater ist der Geruch von Schwefel allgegenwärtig. Je nach Windrichtung machen die Rauchgase das Atmen dann aber unmöglich. Es kratzt in der Kehle und brennt in den Augen. Man hat die Maske also am besten unter dem Kinn hängen um sie schnell aufsetzen zu können, wenn man plötzlich in einer dichten Wolke steht.

Viele kleine Lichter bahnten sich im Dunkeln der Nacht ihren steinigen und rutschigen Weg den Krater hinunter. Aber erst als der Tag anbrach, erkannte man die ganze Szenerie um sich herum. Die Kraterwand trat als Schatte hervor und ein blauleuchtender See tat sich auf. Man sollte es aber lassen darin schwimmen zu gehen. Erstens ist er mit rund 60°C zu heiß und zweitens ist es ein Säuresee. Man kann die Hand kurz reinhalten, sollte sie dann aber mit klarem Wasser abspülen und sich nicht in die Augen fassen.

Ja, eine unglaublicher Anblick, der sich da einem auftut. Eine raue und nicht ungefährliche Schönheit.

 

 

Einen echten Knochenjob haben hier die Schwefelstecher. Der Schwefel setzt sich aus den Gasen am Gestein ab, oder wird in Fässern angereichert. Oder er tritt in flüssiger Form aus Gesteinsöffnungen hervor und kühlt an der Oberfläche ab. Herausgebrochen, werden sie Schwefelbrocken in Körbe geladen und erst den Krater hoch und dann den Berg runter getragen. Ich hatte mich mal daran probiert. Zwei Körbe an einer Bambuslatte, zusammen 75 Kilogramm. Es tat echt weh, da das ganze Gewicht nur an einem Punkt auf der Schulter liegt. Dreimal täglich holen steigen sie den Krater hinab. Echt hart! Und dadurch, dass sie täglich all diese Gase einatmen, werden sie kaum älter als 50 Jahre alt.

 

 

Dazu gibt es hier eine kleine Kurzdokumentation.