Der Süden Rumäniens

Im Süden des Landes hatte sich die Mentalität der Menschen stakt geändert. Der Umgangston wurde etwas rauer. Da wurde mir auch schon mal aus 50 Metern Entfernung hinterhergebrüllt, man rannte mir nach und versperrte mir den Weg. Nicht, dass man mir etwas Böses wollte, nein. Man wollte nur mit mir reden und die gewöhnlichen Fragen stellen aber die Art und Weise passte mir gar nicht. Erst recht nicht, wenn man halb zehn Uhr morgens, mitten in der Woche mit einer Alkoholfahne konfrontiert wird. Da hatte ich schon ein wenig zu tun die Höflichkeit zu wahren.
Nichtsdestotrotz ist Rumänien wirklich großartig und es hat mir viel Freude bereitet dieses Land zu bereisen. Ich sage Danke!

Rollende Minibar und flauer Magen

Noch ein paar Tage, dann quere ich wohl das letzte Mal die Donau auf meiner Reise. Es geht rüber nach Bulgarien.

Es ist wieder schön warm und so schwitze ich mir wieder einen ab und zische das Wasser weg als wäre es Wasser. *confuse* Die Leute sind weiterhin freundlich und hilfsbereit. Auch hier wird gern zu Abend ein kleiner Schnaps gereicht und mir sogar die ein oder andere Flasche des Selbstgebrannten mitgegeben. Das hatte nach kurzer Zeit die Folge, dass mein Wagen schon fast zur rollenden Minibar mutierte. Hab aber vor ein paar Tagen beschlossen, erst einmal auf Alkohol zu verzichten. Das Zeug bekommt mir am Abend wegen leichter Dehydrierung nicht so gut.
Gestern Morgen hatte ich mir den Magen mit einem etwas älteren Glas Marmelade verdorben. Hatte echt zu tun, dass ich vorwärts kam. Mal eine Stunde so an der Bushaltestelle mit einem tierischen Kollegen ein Nickerchen machen tut auch ganz gut. Abends dann noch fast gekotzt. Gegen 20:30 Uhr bin ich dann schon ins Bett gefallen und hab gepennt. Heute Früh war das Gott sei Dank schon alles wieder vergessen.

 

Acht im Rad

Weiter ging es von Rânca ins Tal hinab. Der Tag zuvor steckt mir noch voll in den Knochen und erkältet bin ich nun auch noch. Auf zelten hatte ich überhaupt keine Lust und so suchte ich mir nochmals eine Pension. In Novaci suchte ich eine ganze Weile etwas passenden und bezahlbares. Irgendwo muss ich mit einen meiner Reifen in eine Rille gekommen sein und dann eine Wende versucht haben. Die Wende hat auch geklappt doch habe ich mir dabei eine riesige Acht in die Felge gehauen. Oh mannnnnnnnn!!!!! Meine Schussligkeit hatte mich gleich wieder zur Verzweiflung gebracht aber einer der polnischen Motobiker hat mich wirklich excellent bei der Reparatur unterstützt. Allein hätte ich das nicht wieder so gerade bekommen.

In der Pension war auch noch eine russische Radreisegruppe. Die waren wirklich ganz gut drauf nur wunderte ich mich, dass die (ernsthaft) drei Mal am Abend gekocht hatten. Natürlich hatte die mich zu jeder Mahlzeit eingeladen und es war wirklich viel. Einer von ihnen meinte „Wenn du auf Russen triffst, dann heißt das zu versuchen zu überleben. Einfach weil bei Russen für Gäste immer gut aufgetischt wird.“ Dann wird Russland definitiv irgendwann auch mal auf meiner To-Do-Liste stehen.

 

Transalpina

Ich hatte mich nun doch für die Transalpina und den 2145m-Pass entschieden. Es war echt hart und wie man sieht, war die Aussicht überragend. Nebel und Nieselregen machten mir nicht gerade Freude. Do ober wurde es recht kühl und wenn man dazu noch schwitz, ist Schnupfen praktisch vorprogrammiert. Ich wollte nur noch etwas Warmes essen und Gott sei Dank kam dieser Bretterverschlag, aus dem es auch schon kräftig rauchte. Als ich so in die Töpfe schaute musste ich echt ein Gesicht ziehen. Innereien sind ja gar nicht ein Geschmack aber „Was soll?“ dachte ich mir. Rein damit in den leeren Magen und… na ja… ging so.

Oben, noch vor dem Pass standen die Souvenirshops im dichten Grau. Ich legte nochmal eine Pause ein und wärmte mich mit heißen Tee auf. Es half alles nix. Irgendwann ging es nur noch bergab und langsam begann es dunkel zu werden. Kein Land, kein rettendes Ufer war in Sicht. Der Nebel versperrte weiterhin sämtliche Sicht. Ich hatte keinerlei Orientierung und konnte nichts voraussehen. Nur noch eine heiße Dusche und ein Bett, das war mein großer Wunsch. Ja und irgendwann tauchte ein kleines Dorf namens Rânca mit vielen Pensionen durch das Grau. Meine Rettung.

 

Hochzeitsglocken

In dem kleinen Ort Băuțar fragte ich wieder einmal für ein Platz zum Zelten und das klappte wie so oft problemlos. Der alte Mann gab mir jedoch zu verstehen, dass ich mein Zelt später aufbauen solle. Seine Nichte heirate und ich solle ihn und seine Frau mit in die Kirche begleiten.

Ja war ganz klasse der ganzen Zeremonie beizuwohnen. In der orthodoxen Kirche läuft das… wie soll ich sagen… einfach… ach keine Ahnung wie ich es sagen soll. Es war auf jeden Fall mal was anderes. Was aber auffiel war das viele Sichbekreuzigen. das ging hintereinander weg. Vom Rest der Sause hab ich auch nichts mitbekommen, denn die war in einem anderen Ort.

 

Lugoj

Am frühen Abend des 06.08.2015 passierte ich die Grenze zu Rumänien und suchte in dem kleinen Ort Turnu einen Platz für die Nacht. Zwei Jungen verwiesen mich auf ein verlassenes Grundstück am Rande der Gemeinde. Hinter dem leerstehenden Haus war ich nicht gleich für jeden sichtbar. Also ein guter Platz um mein Zelt aufzuschlagen. Die Nachbarn beider Seiten erspähten mich schnell. Ich fragte die Dame zur rechten Seite nach einer Duschmöglichkeit. Schwupps… wurde mir der Wasserschlauch über den Zaun gehalten. Nach dem heißen Tag war das genau das Richtige. Nach der Erfrischung wurde ich von ihr auch gleich noch mit Tomaten, Zwiebeln und Speck versorgt. Das hatte die andere Frau gegenüber gesehen und sah sich wohl auch gleich verpflichtet mir ebenfalls etwas zu bringen. Abwinken mit dem Argument, dass ich das nicht alles essen kann und daher schlecht wird, half nichts. Ich habe mich super gefreut aber es ist wirklich schade um das ganze Zeug gewesen. In der Sommerhitze hält sich das einfach nicht.

 

 

Am nächsten Morgen stand ich gegen 8 Uhr auf der Straße als plötzlich ein Wagen neben mir hielt. Dann ging das Fenster kurz runter und mir wurde ein Kaffee gereicht. Großartig… einfach großartig. Diese Erfahrung hatte ich schon einige Male gemacht und bin immer wieder von der Spontanität und Hilfsbereitschaft begeistert. Besonders, wenn man in der Sommerhitze eine kalte Flasche Wasser gebracht bekommt ist das grandios.

In Rumänien sind die Straßen teils nicht gerade im besten Zustand. Einmal wusste ich auch nicht, ob ich von der Haupstraße abgekommen bin oder sie einfach nur in Feldweg übergegangen ist. Ich beschloss über die Stadt Lugoj zu gehen. Irgendwie dachte ich mir: „Den Namen hast du irgendwo schon mal gelesen. Aber wo nur?“ Und ja, ich habe den Namen schon zigmal gelesen, nämlich wenn ich nach Jena hineingefahren bin. Das wurde mir aber erst klar als ich die Stadtgrenze erreichte. 😀 Es ist eine Partnerstadt Jenas.

Wieder hatte ich einen Couchsurfing-Kontakt. Simonya hieß mich willkommen und zeigte mir ein wenig die Stadt. Ich war auch zum richtigen Zeitpunkt in der Stadt, denn ein Folklore-Festival stand vor der Tür. Ein großer Umzug mit vielen bunten Trachten, besonders aus Osteuropa und Rumänien selbst. Wie es sich gehört für solch ein Fest darf natürlich auch Grillgut nicht fehlen. Eine wunderbare Gelegenheit, mich durch die rumänische Küche zu probieren.

Es waren wundervolle Tage in Lugosch und bei dir Simonya und deinen Eltern möchte ich mich für die erlebnisreichen Tage bedanken.

Jetzt sitze ich schon wieder über der Karte und plane. Die einfachste und kürzeste Route wäre wirklich von Lugoj aus in Richtung Süden (Drobeta-Turnu Severin, Serbische Grenze) und dann nach Craiova. Würde einen Pass von 540m bedeuten und das wäre es schon gewesen.
Ich denke aber ich entscheide mich für die landschaftlich wesentlich attraktivere Route durch die Berge. Caransebes – Hateg – Petrosani – Golotreni. Heißt dann jedoch ein Umweg von vielleicht einer Woche und mehrere Pässe von mehr als 1500m Höhe. Wenn ich richtig abbiege dann sogar 2145m. Ach ich hasse mich jetzt schon für diese Entscheidung, wenn ich an meinen fetten Karren denke, den ich hinter mir herziehen muss. Ach was solls?

 

 

 

Und hier habe ich es noch in die Lugojer Lokalpresse geschafft