Schlachtfest

Mein Plan sah vor, gleich zu Beginn der Woche von Dimapur aus mit dem Zug zurück nach Kalkutta zu reisen, da ich dort mein Visum für Myanmar beantragen muss. Da aber keine Tickets verfügbar waren und Mhonthungs jüngsten Sohn sein erster Geburtstag zu zelebrieren war, ergab ich mich freudig meinem Schicksal und wartete die Tage ab.
Am frühen Morgen wurde dann begonnen ein Schwein zu schlachten. Mit einer doch recht stumpfen Lanze gab es einen tiefen Stich in die rechte Seite. Hatte aber einige Minuten gedauert bis da nix mehr zuckte. Nun… Dazu lasse ich ein paar Bilder sprechen.
Letztendlich hatte es mir, dem Familienkreis und der geladenen Nachbarschaft ganz gut geschmeckt. Nur die Innereien sind nicht so mein Geschmack gewesen. Für dieses Frühstück musste ich mich also etwas zusammennehmen.

Guten Appetit!

 

Nagaland

Das vorletzte indische Bundesland auf meiner Reise ist erreicht. Nagaland, benannt nach dem indigenen Volk der Naga. Was gleich bei meiner Ankunft in Dimapur auffiel, waren die vielen Kirchen. Wen wundert es, sind doch knapp 90 Prozent der Bewohner Nagalands Christen. Da haben die amerikanischen Missionare vor hundertfünfzig Jahren ganze Arbeit geleistet.
Als ich am nächsten Morgen die Stadt verließ, schallte aus einer Seitenstraße laut Musik. So wurde etwas meine Neugier geweckt und guckte mal um die Ecke. Eine nepalesische Kirchgemeinde (Wer hätt’s gedacht?) mit vielen gut gelaunten Leuten. Es war Sonntagsgottesdienst. Die Band spielte, es wurde laut gesungen und geklatscht. Das hatte schon fast etwas Ansteckendes aber ich war doch noch zu müde um voll dabei zu sein.

Nach diesmal nur etwas mehr als 20 Kilometern erreichte ich mein Tagesziel. In Kukidolong wartete mein CS-Host Mhonthung mit seiner kleinen Familie auf mich. Ein Teil des Ortes eröffnet noch einen kleinen Blick in das ursprüngliche Leben der Naga. Meine Unterkunft war eine Bambushütte. Fließend Wasser gibt es nicht. Wasser muss erst über einer Feuerstelle hinter dem Haus abgekocht werden bevor man es trinken kann. Zum Wäschewaschen und Baden muss man zum Fluss hinunter laufen. Wow! Was für eine Erfahrung.
Dennoch haben Mhonthung und seine Frau exzellent für mich gesorgt. Und das Essen ist kaum mit dem, was wir unter indischer Küche verstehen, zu vergleichen. Klar, Reis gehört immer dazu und das in rauen Mengen. Fleisch, besonders Schwein und Hühnchen sind kaum wegzudenken, egal ob zum Frühstück, Mittag oder Abend. Hauptsächlich werden die Zutaten gekocht anstatt in Öl gebraten. Besonders aber ist die Naga-Küche dafür bekannt, dass sie bevorzugt Kräuter anstatt Gewürze verwendet. Was am Ende diese Küche aber fast schon einmalig macht ist, dass einfach Blätter von den Bäumen gepflückt, gekocht und als Beilage serviert werden. So anders und super lecker!
Und noch ganz nebenbei… Hund steht hier auch gern mal auf dem Speiseplan.

 

Die letzte Etappe in Assam – Besser geht’s nicht

Von Guwahati zog es mich weiter ein Stück entlang des Brahmaputra. Was das Übernachten und Campen anging, entschied ich mich seit langen wieder dafür bei Leuten anzuklopfen und zu fragen, ob ich in ihrem Garten schlafen könne. Nicht zuletzt auch aus Sicherheitsgründen, denn immer wieder warten mich die Einheimischen in den Wald zu gehen. Wilde Elefanten und auch Tiger seien eine nicht zu unterschätzende Gefahr in dieser Region.
Die Leute ließen mich ohne Probleme gewähren und sorgten sich gut um mich. Immer wurde mir Abendessen angeboten, was ich natürlich gern annahm, wenn ich nicht schon irgendwo anders gegessen hatte. Das Essen ist weiterhin himmlisch gut und verträglich. Viel Fleisch aber das hatte ich ja schon mal erwähnt.
In Bokakhat, einem kleinen Provinzstädtchen, suchte ich auch wieder Unterschlupf und als ich zwei Männer vor einer Kirche sah versuchte ich auch hier mein Glück. Nach etwas Smalltalk mit dem Priester öffnete mir dieser das Tor, bat mich hinein und zeigte mir ein Gästezimmer. Boar ich war so glücklich, besonders als in der Nacht noch ein heftiger Gewittersturm aufkam.
Es sollte weiter wie am Schnürchen laufen. Couchsurfen war wieder angesagt. Rituraj war für drei Nächte mein Gastgeber in einem kleinen Ort kurz vor Golaghat. Ein kleiner ruhiger Ort, was für Indien schon recht selten ist. Einfach die Seele baumeln lassen und den Garten seiner Eltern genießen. Sich ein bisschen Baumwolle pflücken und damit spielen, auseinanderreißen und sich einen faden zwischen den Finger spinnen. Ein Nickerchen machen und weiter relaxen.
Aber nicht nur die Leute auf meinem Weg waren großartig. Auch der Weg an sich hatte viel zu bieten. Die Märkte bieten einen tollen Überblick von dem, was in dieser Region so wächst. Tomate, Aubergine, Gurke, Kartoffeln, allerhand Grünzeug, Bananen, Papaya, Litschi , und und und… Natürlich darf Geflügel, Schwein und Fisch nicht fehlen. Und immer wieder… Was wäre Assam ohne seinen Tee?
Der Kaziranga Nationalpark schuf auch noch einen schönen Blick auf das hier heimische Großwild. Immer wieder beeindruckend diese riesigen Elefanten und Nashörner.

Oh Assam… Du und deine Menschen, deine Natur, deine Landschaft… Ihr habt mir gut getan. Danke!

 

 

Pobitora Wildlife Sanctuary

Vergangenen Samstag unternahmen mein Gastgeber Jim und sein Freunde mit mir einen Ausflug in das Pobitora Wildreservat, östlich von Guwahati. Bekannt ist dieses vor allem für seine Population der seltenen Ein-Horn-Rhinozerosse aber auch asiatische Büffel, Leoparden und vielen Vogelarten.

 

On The Road von Sonada nach Guwahati

Der erste Tag hatte es schon echt in sich. Das lag nicht an den 39 Kilometern, die ich da gleich zurückgelegt habe. Nachdem es gemütlich bergauf bis nach Ghoom ging kam der Abstieg und der war mordsmäßig. Sprich: Die letzten 30 Kilometer ging es steil bergab und dabei schob der Wagen wunderbar von hinten in die Hüften. Boar war ich fertig. Heilfroh am Tista unten angekommen zu sein, konnte ich mich kaum noch vernünftig auf den Beinen halten. Die Knie hatten gezittert und ich wollte nur noch pennen gehen.

Hier oben im Nordosten ist gerade Regenzeit. Etwas, was ich überhaupt nicht mag aber als ich so durch die Schlucht des Tista lief, da verlieh all dieser regnerische Dunst dem ganzen Szenario eine mystische Stimmung. Irgendwann öffnete sich dann wieder das Tal und vor mir lag wieder die große Ebene mit ihren vielen Teeplantagen. Eine wahre Augenweide und einen guten Platz zum campen bieten diese Felder auch.

Wenn ich meinen Blick nach Norden richtete, konnte ich oftmals hinter den Wolken die Berge Bhutans erblicken, einem kleinen Königreich, welches mir auf dieser Reise aber unzugänglich bleiben sollte.

Weiter in Richtung Osten folgte nun auf West Bengalen das ebenfalls für seinen Tee berühmte Assam. Was mir hier ganz schnell auffiel war die Sauberkeit. Hier liegt kaum Müll auf den Straßen. Das ist etwas, was ich nach so anderen Bildern aus Indien sehr zu schätzen weiß. Aus den Bergen kommen klare Flüsse. Eines Abends campierte ich an einem kleinen Damm und hatte dabei so etwas wie eine große Badewanne bei der ich auf den Grund schauen und die kleinen Fische beobachten konnte. Es ist ein hübscher Flecken Erde und die Leute sind auch sehr freundlich. Da ist es mir auch wichtig zu sehen, dass hier alle Religionsgemeinschaften friedlich miteinander leben. Hier steht ein Hindutempel, hundert Meter weiter eine Moschee und daneben eine Kirche und es funktioniert.

Nur der Verkehr hat sich nicht verändert. Einfach furchtbar wie die hier langhacken. Besonders die Busfahrer. In keinem anderen Land habe ich so viele und schwere Unfälle live gesehen. Neulich erst ist ein Bus einer Kuh vor den Kopf gefahren und da lag sie nun. Nachts höre ich manchmal aus meinem Zelt, wie irgendwo in der Ferne jemand auf die Bremsen tritt und wie sich dann das Blech faltet. Wenn ich dann am nächsten Morgen meinen Weg die Straße entlang fortsetzte, sehe ich das Wrack und greife mir nur an den Kopf. Gnadenlose Selbstüberschätzung, überhöhte Geschwindigkeit, bewusste Missachtung einfacher Verkehrsregeln, technische Mängel und dazu noch bloße Dummheit.

Zurück zu den schönen Dingen! Ich bin in Guwahati angekommen und habe hier einen tollen Couchsurfing-Kontakt. Ich werde also ein paar Nächte bleiben können und entspannen. Mein Host Jim und seine Freundin Debjani sorgen gut für mich und geben mir viele nützliche Tips die bevorstehenden Etappen in Nagaland und Manipur. Sie machen mir sogar richtig Appetit drauf.

Heute geht es mit den beiden noch in einen Nationalpark. Ich bin gespannt.